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Städtebaulich-landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb Wedel-Nord - Grüne Vernetzung für Wedel, offenes Wettbewerbsverfahren in 2 Stufen, 2014/15 1. Preis 

H.-J. Agather / Schoppe + Partner / P. Oschkinat                  


1. Städtebauliche Einbindung

Die polygonal gestalteten Grünzüge in unterschiedlicher Breite gliedern das neue Wohngebiet in überschaubare Quartiere und binden es über das durchgehende Fuß- und Radwegenetz engmaschig in die bestehende Umgebung ein. Dabei werden die vorhandenen Stadtstrukturen aufgenommen, behutsam ergänzt und in den neuen Entwurf integriert. In jeder Entwicklungsphase der Bauabschnitte entstehen in sich abgeschlossene Nutzungseinheiten.

Bereits in den ersten beiden Bauabschnitten wird der Mittelpunkt des neuen Quartiers definiert. Zwischen dem Schulstandort mit Bushaltestelle im Osten und dem kleinen Geschäftshaus mit Seniorenwohnen und mit vorgelagerter Platzfläche im Westen verläuft die kommunale Trasse, an die sich südlich eine intensiv gestaltete Freianlage mit Wasserbezug anschließt.  So entsteht in der Mitte zwischen 1. und 2. Bauabschnitt das kleine grüne Zentrum des neuen Wohngebietes, der Ort, wo man sich zwanglos trifft und gerne verweilt, mit kurzer Anbindung an die Innenstadt.  

 

2. Nutzungen

Der Entwurf gliedert die Gebäudestruktur in 2 Hauptzonen: In der Mitte der Baufelder werden Einfamilienhäuser und Doppelhäuser in Ost-West-Richtung erschlossen, so dass alle Zimmer besonnt werden. Die Einfamilienhäuser liegen überwiegend auf der Ostseite, weil sie im Grundriss mehr Möglichkeiten zur Ausbildung einer geschützten Süd-West Terrasse haben.

An den Rändern orientieren sich 50-60 m tiefe Baufelder mit verdichteten Reihenhäusern und Geschosswohnungsbau zu den umliegenden Grünzügen. Die Geschosswohnungen haben keinen Garten, aber einen engen Bezug zu den angrenzenden Spiel- und Erholungsflächen. Auch hier können die Kinder direkt vor oder hinter dem Haus spielen. Die Geschossigkeit steigt zur attraktiven Mittelzone an und „kulminiert“ in dem Eckgebäude des 3. Bauabschnitts, der den Grünraum nach Norden verengt.

Die Sondernutzungen mit Schule, Kindergarten, Nahversorgung (Bäcker) und Seniorenwohnen sind in der südlichen Mitte auf beiden Seiten der kommunalen Trasse angeordnet, und schaffen in ihrer Konzentration ein klein wenig Urbanität.

Der durchgängige Baustein der städtebaulichen Struktur ist der Wohnhof, der zugleich eine ablesbare räumliche Einheit und eine überschaubare Nachbarschaft bildet. Hier können Kinder sich frei bewegen und wissen gleichzeitig wo sie hin gehören.  

Mischung und Variabilität:  Die robuste Bebauungsstruktur kann sich im Lauf ihrer Realisation an die sich wandelnden Bedürfnisse anpassen. Die kleinräumige Mischung von Einfamilienhäusern, Reihenhäusern und Geschosswohnungsbau in jeder Nachbarschaft ermöglicht die Berücksichtigung neuer Planungsvorgaben im laufenden Prozess.  

 

3. Freiflächenkonzept/ Entwässerungskonzept

Die öffentlichen Freiräume bilden das Gerüst für die zukünftige Siedlungsentwicklung und gestalten die Übergänge zur vorhandenen Bebauung und zur Umgehungsstraße. Die Grünzüge sind durch großflächige Wiesen, unterschiedliche Baumpflanzungen und offene Entwässerungsgräben landschaftlich geprägt. Dadurch entsteht ein Freiraumsystem, welches unter anderem auch als Biotopverbund funktioniert und eine Verbindung zur umgebenden Landschaft herstellt. Das Netz von Grünzügen übernimmt sowohl die Funktion der Freiraumversorgung für die Bewohner, als auch Verbindungsfunktionen für Radfahrer und Fußgänger. Es bestehen darüber hinaus kleinräumige Wegeverbindungen zu den einzelnen Baufeldern, sodass eine bequeme Erreichbarkeit der Freiflächen gewährleistet ist. Der südliche Bereich des Grünzugs zwischen der Schule, der Kita und der Seniorenwohnanlage wird als zentraler Platz mit einem hochwertigen Spielbereich gestaltet. Der Grünzug endet hier in einer Treppenanlage mit Blickbeziehungen über die Wasserfläche.

Eine besondere Rolle übernehmen die Wohnhöfe, die neben der reduzierten Erschließungsfunktion auch als Spiel und Aufenthaltsflächen genutzt werden können.

Die Ableitung des Niederschlagswassers erfolgt über Entwässerungs- und Staugräben. In einzelnen Bereichen sind zusätzliche Überflutungsflächen vorgesehen. Alle Wasserflächen sind integraler Bestandteil des Freiraumsystems und tragen im wesentlichen Maße zur Gestaltung der Grünzüge bei.

Insgesamt entsteht ein abwechslungsreiches Freiraumsystem mit hoher Aufenthaltsqualität, welches eine ideale Ergänzung zu den wohnungsnahen Freiräumen darstellt und die neuen Baufelder in das vorhandene System von Siedlungsflächen und Landschaft einfügt. 

 

4. Erschließung, ruhender Verkehr

Die Bauabschnitte werden jeweils separat aus dem vorhandenen Straßennetz und von den Knotenpunkten der Umgehungstraße aus erschlossen. Sie bilden in sich abgeschlossene Systeme mit einer Erschließungsstraße und abzweigenden Wohnwegen, die als Sackgassen angelegt sind. Ein Durchgangsverkehr findet nicht statt. Aschhoopstwiete und Bündtwiete sind für den KFZ-Verkehr zwischen den Bauabschnitten gesperrt.  Nur zwischen 1. und 2. Bauabschnitt ist eine Ost-West Kommunaltrasse vorgesehen, die den Grünzug überquert, nutzbar für den öffentlichen Nahverkehr, Schulbusse, Müll und Feuerwehr. Die Haltestelle liegt direkt vor der Schule mit kurzer Anbindung an Kindergarten, Nahversorgung und an die beiden autofreien Wohnquartiere des 2. Bauabschnittes.

Der ruhende Verkehr in den Wohnhöfen ist in der Regel den jeweiligen Einzel- und Reihenhäusern direkt zugeordnet. Teilweise als Carports. In den seitlichen verdichteten Baufeldern mit Hofförmig gruppierten Reihen- und Kettenhäusern sind die Stellplätze in gemeinschaftlichen Parktaschen entlang der Erschließungstraße angeordnet.  Die Geschosswohnungsbauten können infolge Ihrer Baustruktur entweder mit oberirdisch eingegrünten Stellplatzanlagen oder durch Tiefgaragen erschlossen werden. 


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