Dr. Walter Jochim

 

Telefon    +49 (0) 51 41 900 200
Fax           +49 (0) 51 41 900 202
E-Mail      info@galerie-jochim.de

 

 

galerie dr.jochim

Magnusstraße 5

29221 Celle

 
Öffnungszeiten

Do - Fr    14 - 18 Uhr

Sa            11 - 16 Uhr

 

Anfahrt

 

 

galerie am kleinen plan

Mauernstraße 32

29221 Celle

 
Öffnungszeiten

Fr    14 - 18

Sa   11 - 16

 

Anfahrt

Agneta und Ulrich Klimmt

Ausstellung September 2015

 

 

Agneta Klimmt

 

 

 

 

Ulrich Klimmt

 

 

 

Agneta und Ulrich Klimmt,

 

zwei sehr eigenständige Künstlerpersönlichkeiten mit je sehr eigener Handschrift und

Technik stehen uns im Werk von Agneta und Ulrich Klimmt gegenüber. Auf der einen Seite

die Monotypien von Ulrich Klimmt, die neben Landschaften der Aller- und Heideregion auch

Bilder mit vielschichtigen „Meeresthemen“ darstellen. Und auf der anderen Seite die Physignomien

im weitesten Sinne, Malerei mit Collagetechnik von Agneta Klimmt, die Gesichter oder Masken

darstellt.

Ein Künstlerpaar sein, das heißt, Alltag leben und künstlerisch tätig sein unter einem Dach, in

häuslicher Gemeinschaft und doch in höchst eigenständiger Kreativität. Auf genau diese will

ich in den folgenden Minuten einen kurzen Blick werfen, bevor Sie sich der Betrachtung der

Bilder widmen können. Und ich möchte gleich vorweg zu einer genauen Betrachtung der

Details einladen!

Wir sehen auf drei Ausstellungsetagen mehrere Jahrzehnte männlichen und weiblichen

Kunstschaffens vor uns. Beide Künstler sind seit den frühen 1950er Jahren, als sie Ihr

jeweiliges Studium in begannen, künstlerisch tätig.

Ich betone die Geschlechterfrage hier nicht, um einem modischen Genderdiskurs Bahn zu

brechen, sondern um das differente Zusammenspiel im Schaffen eines Künstler-Ehepaars zu

hervorzuheben. Und das findet man eher selten, dass aus einem Künstlerhaushalt eine

gemeinsame Ausstellung entsteht.

Zwei Dinge will ich kurz vorweg nehmen: Die sanfter und verhaltener wirkenden Bilder sind

von Ulrich Klimmt, die auf den ersten Blick fast expressiv und ethnografisch wirkenden

Maskenbilder stammen aus dem Schaffen von Agneta Klimmt. Und zweitens: weibliches und

männliches Malen ansich gibt es nicht. Zu diesem Ergebnis kam unter anderem eine

Veranstaltung in Potsdam, die sich an einer Ausstellungsrezension festmachte, bei der die

Rezensentin sich in die klassischen Stereotypen der geschlechtlichen Zuschreibung von

Ästhetik verrannt hatte.

Man begibt sich auf verlorenen Posten, wenn man sich freiwillig für Etikettierungen der

Marke „weibliche“ oder „männliche“ Kunst hergibt. „Jeder Versuch einer solchen

Klassifizierung greift unweigerlich auf Klischees und Stereotypen als vermeintlich zutreffende

Erklärungsmodelle zurück.“ Die Grenze zur einengenden Zuschreibung, Ausgrenzung bis hin

zur Diskriminierung ist fließen und nur allzu schnell überschritten.

Projektionen inklusive der einer weiblichen bzw. männlichen Kunst, die man

Kunstschaffenden gern von außen zuschreibt, werden dem Künstlerischen kaum gerecht und

sind höchstens biografisch und kontextualisierend zu verstehen.

 

Wahr ist allerdings, dass Künstlerinnen es nach wie vor deutlich schwerer haben als ihre

männlichen Kollegen, gesehen und wahrgenommen zu werden und von ihrer Kunst leben zu

können.

Siehe: http://www.pnn.de/potsdam-kultur/29368/

Über den kleinen Unterschied – Malen Frauen anders?

Eine Diskussion [Almut Andreae]

 

Um so mehr freut es mich, hier heute eine Künstlerin und einen Künstler gemeinsam

vorstellen zu können.

Spätestens mit der Aufnahme Ihre Studiums 1953 beginnt das künstlerische Schaffen von

Agneta Klimmt . Sie studierte Kunstpädagogik und Germanistik in Hamburg, Zürich und Berlin.

Die hier ausgestellten Werke, durchweg „Gesichter“, schauen uns direkt an, oft aus

leeren Augenhöhlen, mit unterschiedlicher und doch stets distanzierter, numinoser Mimik.

Die Physiognomien erinnern beim flüchtigen Blick an Venezianische Masken oder

afrikanische Volkskunst, an Voodoo-Masken vielleicht, aber auch an Stuckaturen der

italienischen Renaissance: an Theatermasken, Allegorien oder Götterbilder. Hält der Blick

jedoch inne, so kommt einem Archimboldo (ca. 1525-1593) in den Sinn, jener Maler der

italienischen Spätrenaissance, der aus Blumen, Früchte oder Gemüse und Gegenständen

überraschende Porträts und Stillleben komponierte.

Denn beim näheren Hinsehen erkennt man nämlich, dass die vermeintlich EINE Maske aus

mehreren Gesichtern aufgebaut ist, dass die Physiognomie aus Ornamenten und

Meeresgetier, aus Vogelwesen und Carcassen, aus barockem und renaissance-igem Zierrat

aufgebaut ist. Durch die Collagetechnik bekommen die Bilder eine quasi dreidimensionale

Tiefe.

Agneta Klimmt zeigt das Vordergründige einer Maske – die Farben, Formen und

Formfragmente deuten das „Dahinter“ an, das Verborgene, das so auf einer zweiten Ebene

wieder in den Vordergrund der Darstellung dringt. Maske wird als das dechiffriert, was sie

ist: ein zuweilen fratzenhafter, immer aber hypostasierter äußerer Schein. Die Tiefe und

Untiefe hinter der Larve erschließt sich in den Bildern in großer Vielschichtigkeit.

Auf vielen Bildern von Agneta Klimmt erkennt man Meeresgetier: Hummer- oder

Krabbenscheren, Fische… die unseren Blick auf die andere Seite der Galerie lenken können:

Dem Ozeanischen ist auch ein Teil der Werke Ulrich Klimmts verpflichtet. Gerade die in Blauund

Grüntönen gehaltenen Bilder im Untergeschoss, sowie Neptun und die durch einen

Kometen aufgescheuchten Fische hier, spiegeln die Faszination des Meeres - ja, des Wassers

überhaupt - und seiner Lebewesen und Mythen wieder. Im Geiste habe ich gerade die von

Kraken umschlungenen Nymphen sowie die Badebilder im Untergeschoss „Undinen-Bilder“

genannt, da mich die Anmutungsqualität der Arbeiten spontan an jene romantisch

geprägten und doch stets zwiespältig bleibenden mythologischen Wassergeister erinnert

hat. Geschichten scheinen sie zu erzählen, die Bilder, und Lieder zu singen von

fremdvertrauten Unterwasserwelten.

Auch in den Landschaftsbildern von Ulrich klimmt spielt Wasser eine tragende Rolle:

Abgebildet sind fast ausschließlich Uferszenen sowie die Allerauen.

Durch die Technik der Monotypie, bei der die Farbe auf eine Platte aus Glas, Acryl oder

Metall aufgetragen und dann erst auf Papier gedruckt wird, entstehen besondere Farb- und

Formeffekte, die den auf den ersten Blick abstrakt anmutenden Landschaftsbildern eine

große Lebendigkeit und fast surreale Realität verleihen. Gewissermaßen gibt das

Druckverfahren den Bildern einen durchaus grafischen Charakter, wenngleich jede

Monotypie der je einzige Abzug, also ein Einzelstück, ist. In einem späteren

Überarbeitungsschritt hebt Ulrich Klimmt Formen und Strukturen hervor, betont das

„Gefühl“, das einem die Allerauen beim Betrachten vermitteln. Wie auch die Masken von

Agneta Klimmt ziehen einen die Landschaften und die „Undinenbilder“ von Ulrich Klimmt

aus dem Vordergründigen in Tiefe und Untiefe der Betrachtung.

Und zu genau dieser möchte ich Sie nun herzlich einladen: Betrachten und erkunden Sie die

Bilderwelten von Agneta und Ulrich Klimmt.

 

Dr. Andrea Hoffmann

 

Vita Agneta Klimmt

 

Vita Ulrich Klimmt

 

Ausstellung Ulrich Klimmt 2010

Ausstellung Agneta und Ulrich Klimmt 2012

© 2012 galerie dr.jochim | Admin-Login | Impressum | Webdesign Hamburg