Dr. Walter Jochim

 

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Frank Schult - Ausstellung 2006

Malerei und Skulptur

 

"Ophelia" und "Romulus"

 

Es war ein festliches Gepränge und Gedränge am späten Samstagnachmittag in der „Galerie Im Haesler Haus". Das Gelb der Wände und das Rot des Fußbodens erfüllten die Räume mit Farben, dass man Angst haben konnte, die Arbeiten von Frank Schult würden dagegen verblassen. Es brauchte aber nur wenige Augenblicke, um diesen Gedanken zu vergessen. Vierundvierzig malerische und zeichnerische Arbeiten breiten sich in den Räumen des Haesler Hauses aus, doch für manchen Besucher waren fünf Skulpturen im Erdgeschoss die eigentliche Sensation.

 

 

Beiläufig hatte Frank Schult erste Skulpturen vor vier Jahren in der Tiefgarage des "Fürstenhofes" präsentiert. Erst jetzt aber sieht man, dass sie ein integraler Bestandteil seines Œvres sind. Erst wenige Tage vor der Eröffnung ist die jüngste Skulptur "Die Schöne" fertig geworden. Sie ist aus Eisen geschweißt und nicht mehr durch Schnitte mit der Kettensäge entstanden. Sie erweitert Frank Schults Sicht auf die Skulptur, die er als "eine geschlossene Einheit" versteht, "die man den Berg hinunter rollen kann, ohne dass sie zerbricht". "Die Schöne" hat einen Raum für sich, von dessen Wänden drei intensive Betrachter blicken. Vom Boden her betrachten Alltagsweintrinker, in Schnellzeichner Manier auf Weinetiketten skizziert, die Schöne. Leicht erhöht schauen gewichtige und sich wichtig machende Figuren auf sie herab. Ein Hauch Ophelia schwingt in diesem Ensemble mit, das der Künstler nicht gern als Installation bezeichnet, denn dafür, so sagt er, "braucht man ein Konzept und ich bin kein Konzeptkünstler".

 

Frank Schult nennt seine "Schöne" und ihre Betrachter (eine Assoziation vielleicht auch zu "Susanna und die Alten"?) eine erzählerische Skulptur. Sie verströmt Wildheit und Spontanität und vermittelt dem Ausstellungsbesucher eruptives Denken und ungebremstes Handeln.

 

Auch die anderen vier Skulpturen, alle für den Guss geschaffen, aber erst zwei als Bronzen präsentiert, lassen geballte Kraft erahnen. Innere Vibration scheint sie alle zu erfüllen, gezügelt durch eine kompakte Form (besonders deutlich in "Reiter").

In diesen Skulpturen besinnt sich Frank Schult wieder auf singuläre Bilder und Zeichen, die er in seinen Papier- und Leinwandarbeiten schrittweise entwickelt hatte. Die Figuren seiner neuen Gemälde nehmen einen geradezu ätherischen Charakter an. Sie sind puppenhaft oder melancholisch, vermischen sich mit dem Hintergrund oder sinnieren über die eigene Zerrissenheit. Die Gemälde stecken nicht mehr voller Hektik, wie es in den zurückliegenden Jahren häufig vorkam. Aber die Beschaulichkeit ist kein Rückzug ins Private, es ist mehr ein momentanes Verharren, das Witterung für die Richtung aufnimmt.

 

Schults Gemälde sind komplexe Gebilde, die man nicht mit wenigen Blicken aufnehmen kann. Seine Zeichnungen sind meist sehr viel einfacher, bezogen meist nur auf ein Motiv. Aber das kann verwirrend sein in seiner Einfachheit: wer zum Beispiel, fragt man sich, liegt noch neben Romulus und Remus unter der kapitolinischen Wölfin und trinkt sich satt, gar noch mit einem (Nürnberger?) Trichter? Geschichte, Geschichten und Geschichtlichkeit werden vom Künstler Frank Schult seit Jahren ebenso virtuos wie listig ineinander verschlungen. Zum Entwirren braucht man Zeit. Man sollte sie für einen Besuch der Galerie einplanen.

 

Heinz Thiel

 

Vita Frank Schult

Ausstellung des Künstlers 2003

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