Dr. Walter Jochim

 

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Ausstellungen Manfred Zimmermann

 

 

Mensch & Arbeit im Spannungsfeld 2015

 

 

 

 

Manfred Zimmermann

 

in Celle vorzustellen wäre ein bisschen, wie die sprichwörtlichen

Eulen nach Athen tragen. In mehreren Ausstellungen waren seine vielfältigen künstlerischen

Arbeiten bereits in Celle zu sehen.

Diese Ausstellung hier zeigt in realistisch geprägten Bildern ein Herzensthema des

Fotografen, der seit den 1970er Jahren weltweit als Werbe- und Industrie-Fotograf

unterwegs ist. „Menschen in der Arbeitswelt“ ist die Ausstellung überschrieben. Und die

Arbeitswelt ist hier die Industrie in ihrer gesamten Bandbreite - angefangen vom Bergwerk

über die Verhüttung bis zur Produktion von einzelnen Teilen, die dann als großes Ganzes die

Produkte ergeben, die wir täglich nutzen: Auto, elektrische Geräte, aber auch Tinte,

Lippenstift und Fünf-Mark-Stücke. Sie horchen jetzt zu Recht auf – denn 5-Mark-Stücke sind

längst aus dem Gebrauch. So sind auch viele der hier dargestellten Arbeitsplätze längst

modernisiert oder wegrationalisiert worden. Die Menschen und ihre Arbeit wurde nicht

mehr gebraucht. Die Walze jedoch, auf der die Stanzplatten für 5-Mark-Stücke hergestellt

wurden, ist in der Ausstellung zu sehen (im ersten Raum rechts des Eingangs). Und ein

Mann, mit dem - oder einem seiner Kollegen - wir über das Geldstück zu Zeiten der D-Mark

quasi mittelbar in Berührung gekommen sind, steht aufrecht davor. Sie sehen, es geht in der

Ausstellung auch um die Dokumentation verschwundener Arbeitswelten. Doch dazu später

mehr.

Ich werde nun keine kunsthistorische Einführung in die Darstellung von Industriearbeit in

der bildenden Kunst geben – Stichworte wären etwa Francois Bonhommé, der als erster

Industrie-Maler Europas gilt (sein in den 1860er Jahren für die Ecole des Mines entstandener

Zyklus sowie seinen Arbeiten für den Schwerindustriekomplex Schneider in Le Creusot sind

wichtige Wegbereiter) oder das Eisenwalzwerk von Adolph Menzel (1872-1875 entstanden).

Ich möchte lediglich die künstlerische Tradition anreißen, in der wir uns auch beim

Betrachten dieser Ausstellung bewegen. Denn an der einen oder anderen Stelle werden die

großen künstlerischen Bezugspunkte vor dem Auge der Betrachter aufblitzen. In der

Fotografiegeschichte böte sich vorschnell die Arbeiterfotografie an, die durchaus auch in

politischem Sinne den Blick auf die unbekannte und beschwerliche Seite von

Arbeitsprozessen und Arbeitsverhältnissen richtet.

Es ist jedoch nicht das Anliegen von Manfred Zimmermann, den Arbeitsprozess und den

Menschen bei der Arbeit quasi in einer Fotoreportage abzulichten. Der Fotograf

Zimmermann tritt nicht als Beobachter, als Voyeur auf, der einen flüchtigen Moment ‚en

passant‘ als Zeitdokument einfängt. Vielmehr geben seine dokumentarischen Bilder den

Arbeiterinnen und Arbeitern die Möglichkeit, sich in Bezug zur Kamera, zur Fotosituation zu

setzen und ihr „Ich“, ihr Menschsein, an ihrem Arbeitsplatz auftreten zu lassen. Hier

unterbricht der fotografische Blick die entfremdete Arbeit an der Maschine, wie

Industriearbeit seit Karl Marx (durchaus zurecht) definiert ist. Jeder einzelne ist nur ein

Rädchen in einem großen Getriebe und muss sich der Arbeitssituation unterordnen, nicht

sich die Arbeit, das Werkstück untertan machen, wie das im handwerklichen Bereich möglich

ist. Diese Unterworfenheit bricht Zimmermann auf und wir sehen das Wesen der Arbeiter,

mit all ihrem Werkstolz und ihrer Gebrochenheit, mit ihrer Würde und auch zuweilen mit

ihrer Resignation. Ihre Posen und Positionen haben die Fotografierten selbst gewählt und

somit auch ihren Selbstausdruck individuell gestaltet.

Ich hatte eingangs den Lippenstift erwähnt – den sie als Endprodukt auf den Fotografien

vergeblich suchen werden. Aber sie sehen Minenarbeiter in einer Kupfermine in der

ehemaligen DDR. Die Arbeitshöhe des Stollen betrug 85 cm. Hier wurde eine 30 cm breite

Erzschicht mühsam und unter gefährlichen Bedingungen abgebaut. Verwendet wurde das

gewonnene Kupfer unter anderem in der Messingherstellung für die Umhüllung von

Lippenstiften. Entfremdet ist also, um auf Karl Marx und dessen Blick auf die Arbeiter in der

Industrie zurück zu kommen, nicht nur die Arbeit an der Maschine ansich, sondern auch

unser Blick auf die Endprodukte. Hier verknüpft Manfred Zimmermann seine Professionalität

als Werbefotograf und als Industriefotograf miteinander. Die schönen bunten Warenwelten

sind ihm ebenso vertraut, wie die vielen Wurzeln, die zum Endprodukt führen. Bei jedem

Schritt sieht er den Menschen in seiner Einzigartigkeit. Und er schärft die Sinne der

Betrachtenden für die Prozesse der Produktion. Das ist im besten Sinne sozialpolitische

Fotografie. Denn Zimmermann will nicht Meinungen konfigurieren, macht keine politische

Meinungsbildung, indem er Beschwernis oder Ausbeutung moralisierend darstellt. Sondern

er löst den Menschen aus dem Arbeitsprozess für den Moment der Aufnahme heraus, stellt

ihn als Individuum in eine ArbeitsWELT. In dieser Sichtweise bezieht Zimmermann sich unter

anderem auf die sogenannte Neue Sachlichkeit mit Fotografen wie Alfred Renger-Patzsch

(1897-1966). Renger-Patzsch arbeitete übrigens auch für Pelikan – und einen Arbeiter im

Pelikan-Werk sehen Sie im ersten Raum, bei der Einfüllung von Silberfarbe. Auch dies

übrigens ein nicht mehr existierender Arbeitsplatz.

„Ich habe bei jedem Industrie-Auftrag ein Foto nur für mich gemacht“ erklärt Manfred

Zimmermann im Gespräch die Genese seiner Fotografien „Menschen in der Arbeitswelt“.

Einen ganz kleinen, sehr zeitgenössischen Ausschnitt aus diesen impulsgebenden

Auftragsarbeiten sehen Sie hier (im großen Raum im Erdgeschoss). Makroaufnahmen aus

der Fertigung, künstlerisch überarbeitet, zieren auch die Etagen großer Unternehmen. Was

hier fast als grafische Arbeit oder abstrakte Kunst erscheint ist ansich sehr konkret:

Förderbänder, eine Spule mit Kondensatoren, Frässpuren in einem Formzylinder oder die

Kühlung von Compoundsträngen (Verbundstoff Stränge – sieht aus wie Drähte). Ganz nah

am einzelnen Produkt, am winzigen und riesig vergrößerten Ausschnitt aus einem kleinen

Teil, ist der Blick auf die Arbeit, die zum jeweiligen Produkt geführt hat, ausgeblendet. Doch

dem subjektiven und alle Teile der Industriewelt umfassenden Bick Zimmermanns ist es

wichtig, auch die Arbeit und die Arbeitenden dahinter zu zeigen.

Diese Sichtweise steht kunsthistorisch oder besser gesagt kulturwissenschaftlich nicht im

luftleeren Raum. August Sander (1876-1964) ist der wichtige Bezugspunkt. In seinem in den

1920er Jahren konzipierten, umfänglichen „Werk Menschen des 20. Jahrhunderts“, das stets

ein Prozess blieb, reflektierte er die Berufs- und Gesellschaftsordnung seiner Zeit auf

vielfältige Weise. Auch hier ist der Mensch stets mit klarem Bezug zum Fotografen

dargestellt. Auch hier schwingt stets ein „Hier stehe ich und kann nicht anders“ mit - ein

Moment, der alle Momente eines gewordenen Lebens umfasst. Diese Art der Ablichtung hat

für mich eine große Ehrlichkeit, da auch die Situation des Fotografiertwerdens, die zu

Sanders Zeit ebenso, wie für die Arbeiter in der Industrie an ihren Arbeitsplätzen, eine

Ausnahmesituation aus dem Fluss des Alltags darstellte, mit aufgenommen wird.

In mehrfacher Hinsicht stellt die Ausstellung ein Zeitdokument dar, das verschwundene

Welten bewahrt. In Nuce dargestellt sehe ich das in der Fotografie des Vaters des Künstlers

an seinem früheren Arbeitsplatz. Das Foto entstand im bereits stillgelegten Werk, kurz bevor

die Anlage abgerissen wurde. Der Fotografierte war zu diesem Zeitpunkt bereits in Rente.

„Der Arbeitsplatz der Eltern war früher eine völlig fremde Welt, denn wer konnte schon ein

Kind mit zur Arbeit in der Industrie nehmen, um ihm diese Welt zu zeigen“, sagte Manfred

Zimmerman im Gespräch.

Der subjektive Blick ist eine der vielen großen Stärken des Werks. Mit dieser Subjektivität

bezieht Zimmermann sich auch auf seinen Kollegen Peter Keetman (1916-2005). Dessen

Markenzeichen waren sehr detailgenaue, introvertierte Fotos, die oft nahe an der Grafik sind und

eine gewisse Strenge der Emotion aufweisen.

Bei allem Blick nach außen wirken viele der Fotografien durchaus introvertriert. Das

Innehalten im Ablauf macht neben dem Prozess auch die handelnden Akteure sichtbar.

Soziale Herkunft beschränkte früher noch viel stärker als heute die Lebenswelt und den

Alltag der Menschen. Viele der abgebildeten Berufe und Tätigkeiten sind von den Menschen

nicht in erster Linie als ihre Berufung aufgefasst worden. (Ausdrücklich gesagt hat das

beispielweise die junge Gabelstaplerfahrerin in der russischen Fabrik). Doch die Fotografien

zeigen den Stolz und die Würde der Arbeitenden. Sie sind ganz in sich und bei sich und doch

–beim Blick in die Kamera - auf den späteren Betrachter bezogen.

Daraus erwachsen soziologische Betrachtungen im Dienste eines gesellschaftspolitischen

Diskurses über den Wert der Arbeit, die Wertschätzung für Arbeitende und ihre

Arbeitswelten in der Industrie. In der Galerie Jochim sind nun Arbeitsbilder aus 44 Jahren zu

sehen. Ein wichtiges Zeitdokument, dem ich eine sehr große Verbreitung wünschen möchte.

 

Dr. Andrea Hoffmann

 

 

"Ich gehe von der Wirklichkeit als Raum aus. Dieser Raum soll als Ausschnitt so beschaffen

sein, dass er, auf die Ebene projiziert, eine geordnete Bildfläche ergibt."

"Dem starren Liniengefüge moderner Technik, dem luftigen Gitterwerk der Krane und

Brücken, der Dynamik 1000pferdiger Maschinen im Bild gerecht zu werden, ist wohl nur der

Fotografie möglich." (Renger Pazsch)

 

 

 

Touching Moments

Strategisches Sehen 2012

 

 

Perfektion | Ästhetik | Faszination

 

 

London 2010

Eine faszinierende Sicht auf die Metropole London.

Die Präsentation der Städteportraits von Manfred Zimmermann ist in der galerie dr jochim zur Tradition geworden.

In den großformatigen Arbeiten erleben Sie dieses Mal das historische und das moderne London in der individuellen, unverwechselbaren fotografischen Bildsprache von Manfred Zimmermann.

 

 

 

 

 

Vita Manfred Zimmermann

 

Ausstellung Venezia - Venice - Venedig - Venise

 

Ausstellung PARIS - impressions en blanc et noir

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